Die Parteien zu G9 und Ganztagsschulen

Vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg
am 13.03.2016:

Die CDU und die FDP wollen das G9 (neunjähriges Gymnasium) wieder
ermöglichen und den einzelnen Gymnasien die Wahlfreiheit zwischen G8
(achtjähriges Gymnasium) und G9 überlassen. Die Grünen waren schon seit
jeher gegen das G9. Wer das Abitur in neun Jahren machen will, soll dies auf der
Gemeinschaftsschule tun. Die SPD ist inzwischen – anders
als noch zu Beginn der
Legislaturperiode – auf diese Linie eingeschwenkt und will
vom G9 nichts mehr wissen.
Was die Ganztagsschulen anbetrifft, so wollen die CDU und die FDP, dass neben der
verbindlichen Ganztagsschule weiterhin flexible und freiwillige Nachmittagsbetreuung
angeboten wird, so dass die Eltern eine Wahlmöglichkeit
zwischen verpflichtender und offener
Ganztagsschule haben. Die Grünen und die SPD
scheinen aber den Ausbau der ver-
pflichtenden Ganztagsschule auf Kosten flexibler und freiwilliger Betreuungsangebote
vorantreiben zu wollen.
Die Ganztagsschule in Wahlform
ist eine Scheinalternative, weil sie keine flexible und freiwillige
Nachmittagsbetreuung
anbietet, sondern nur die Wahl lässt zwischen Halbtagsschule und
verpflichtender
Ganztagsschule (siehe Infoblatt„Zur Ganztagsschule“).

In den Wahlprogrammen der Parteien zur Landtagswahl in Baden-Württemberg 2016
steht folgendes zu lesen:

CDU
G9:
„Gleichwohl wissen wir, dass sich viele Eltern, Lehrer und Schüler ein neun-
jähriges Gymnasium wünschen. Dem wollen wir dadurch Rechnung tragen,
dass wir die Entscheidung zwischen G8 und G9 in die Hand der Schulen und damit der
Eltern, Lehrer und Schüler legen.“
Ganztagsschule:
„Familien brauchen für Kinder im Grundschulalter verlässliche Betreuungs-
angebote. Dazu müssen die Ganztagsschulen quantitativ und qualitativ weiter ausgebaut
werden. Uns ist dabei wichtig, dass der Lebensalltag der Familien und die Schulen zueinander
passen. Es darf nicht nur die Anwesenheitspflicht bis in den späten Nachmittag geben, sondern
auch weiterhin flexible und modulare Angebote der Verlässlichen Grundschule sowie
im Hort an der Schule.Wir wollen Nachmittagsbetreuung für alle Grundschulkinder anbieten,
sei es in der verbindlichen oder in der freiwilligen und flexiblen Form……“
Mit der einseitigen Förderung der verpflichtenden Ganztagsschule durch die grün-rote
Landesregierung muss Schluss sein.Dieses Konzept fährt alle flexiblen Angebote zurück
und gefährdet die außerschulische Jugendarbeit.

FDP
G9:
„Nachdem die grün-rote Landesregierung aber an 44 Standorten eine Rückkehr zum
neunjährigen Gymnasium zugelassen hat, wollen wir aus Gerechtigkeitsgründen allen
Gymnasien die Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 bei gleicher Ausstattung mit Personal- und
Sachmitteln ermöglichen“.
Ganztagsschule:
„…Gleichzeitig betrachten wir Freie Demokraten es als unseren Auftrag, für eine möglichst
große Wahlfreiheit der Eltern zu sorgen. Eine Betreuung durch Tageseltern ist als gleichwertig
mit einer Betreuung in einer Kindertagesstätte anzuerkennen und auch entsprechend zu bezuschussen.
Im Grundschulbereich sollen die Eltern die Wahl besitzen, ob sie ihr Kind für eine verpflichtend-
rhythmisierte Ganztagsbetreuung, für offene Angebote am Nachmittag oder nur zu einem
wesentlich am Vormittag stattfindenden Unterricht anmelden.“

Bündnis 90 / Die Grünen
G9:
„Wir wollen keine Rückkehr zum alten neunjährigen Gymnasium, sondern eine flexible
kinder- und jugendgerechte Weiterentwicklung des G8…“
Die Gemeinschaftsschule eröffnet somit einen neunjährigen Weg zum Abitur.
„…Damit kann die Gemeinschaftsschule all denen ein solides Angebot machen, die für ihre
Kinder eine Alternative zum G8-Gymnasium suchen.“
Ganztagsschule
Seit dem Schuljahr 2014/15 haben wir den Ganztag in der Grundschule und
in der Grundstufe der Förderschulen gesetzlich verankert. Den Schulen stehen dabei
unterschiedliche Modelle zur Auswahl, um auf die Bedürfnisse vor Ort flexibel reagieren
zu können…Wir GRÜNE unterstützen den weiteren Ausbau der Ganztagsschulen
ausdrücklich, denn Ganztagsschulen sind nicht nur wichtig für die Vereinbarkeit von
Familie und Beruf, sondern leisten auch einen wichtigen Beitrag zur Chancen- und
Bildungsgerechtigkeit.


SPD
G9:
„Die Gymnasien, die die erste Säule des Systems der weiterführenden Schulen darstellen,
bieten einen anerkannten achtjährigen Bildungsgang zurHochschulreife…
Eine pauschale Rückkehr zum Abitur nach neun Jahren ist aufgrund der eingeleiteten
Weiterentwicklung nicht notwendig und auch nicht sinnvoll.“
Ganztagsschule:
„Ob eine Ganztagsschule gewünscht wird, können die Kommunen vor Ort entscheiden.
Vor Ort wird auch entschieden, ob es eine Ganztagsschule in Wahlform oder eine verbindliche
sein soll.“


Rainer Bürck